Viele Musiker, Komponisten und auch Produzenten sind daran interessiert, ihren eigenen Stil zu bewahren, selbst wenn sie im Mainstream landen. Aber das lässt sich bei Weitem nicht bei jedem Aspekt von Kreation, Produktentwicklung und Verbreitung garantieren. Viele benutzen gern das Equipment bestimmter Hersteller, nehmen in bekannten Studios auf, schreiben Stücke nach einem Schema, das irgendwie „richtig“ erscheint, tragen Kleidung und Haarschnitte „strategisch“ und nutzen nicht zuletzt die Plattformen und Vertriebswege von multinationalen Konzernen, um zum Beispiel reich und berühmt zu werden. Man macht ja irgendwie „Pop“. Und ein bisschen Rebellen-Posen. Echte Unabhängigkeit wäre nämlich schwierig und unbequem. Ist das so?

Kreation

Die Einstürzenden Neubauten arbeiteten zunächst mit found objects, hatten also nicht gerade eine Fender um den Hals oder einen Sponsor für das Schlagzeug. Und die Geschichte des Pop ist ebenfalls reich an Gestalten, die die Instrumente anderer nutzten, während diese gerade nicht probten. Elektronische Musik hingegen soll ja oft nicht nur „funktional“ sein, sondern folgt auch noch lieber Algorithmen und Voreinstellungen als früher Leute den Fußstapfen von Elvis, Lemmy, Donna Summer, den Sex Pistols, Marusha oder Lady Gaga. Unabhängigkeit fängt also bei der Wahl der Mittel an, und das betrifft Komposition, Material, aber auch so etwas wie ein weit verbreitetes „Nachäffen“-Syndrom. Wer das nicht beachtet, landet sofort in einer Schublade – aber da wollen viele ja auch hinein. Das wird dann „Nische“ genannt.

Produkt und Vertrieb

Wie bei jedem durch-designten Produkt sind auch Tonträger, Bands und Produzenten dem Marktprinzip unterworfen, dass auf einen Markt hin produziert wird. Dazu braucht es Formate wie Lieder (die auf eine bestimmte Art abgemischt sind), Alben, Konzerte, Cover, Bandfotos, Plattformen, Managementstrukturen, Stromanschlüsse, Mobiltät, Ausrüstung und vieles mehr. Und bei all diesen Komponenten ist es sehr wahrscheinlich, dass ein Großkonzern am meisten finanziell profitiert, selbst wenn die Zwischenhändler relativ autonom agieren können. Und auch auf Bandcamp muss man ja erst einmal gefunden werden. Insofern ist Unabhängigkeit heutzutage schwieriger als zu Zeiten, als noch nicht alles von Global Playern durchdrungen war.